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Radsportler des RSV auch 2013 an Extrem-Radtouren beteiligt

Höhepunkt im Radrennsport ist jedes Jahr im Juli die Frankreich-Rundfahrt. Am 29. Juni 2013 wurde die Tour de France bereits zum hundertsten Mal gestartet, die jedes Mal Millionen von Zuschauer an den Strecken und am Bildschirm in ihren Bann zieht. Darüber hinaus pilgern tausende Hobby-Radsportler in diesen 3 Wochen nach Frankreich, um die Radprofis life verfolgen zu können.

Auch Mitglieder des RSV Oranien Nassau sind regelmäßig in den französischen Alpen vor Ort, um das Spektakel hautnah mitzuerleben. Einige Radsportler des Vereins suchen jedes Jahr jedoch auch die Herausforderung, selbst an Extrem-Radtouren teilzunehmen.

Bereits zum zweiten Mal nach 2007 hat Frank Schneider im Juni 2013 erfolgreich an der „Vätternrundan“ in Schweden teilgenommen. Die Vätternrundan ist die größte Amateur-Fahrradtour der Welt. Am Wochenende vor dem Mitsommernachtsfest nehmen tausende Radfahrer die Herausforderung an, den sechstgrößten See Europas, den Vättersee, zu umrunden. Start und Ziel der 300 km langen Radtour liegen in der Stadt Motola am Nordost-Ufer des Sees. Jährlich lockt die Veranstaltung über 20000 Teilnehmer (2013 auf 23000 begrenzt) aus bis zu 40 Nationen an.

Mit Startnummer 14128 ging der Bettendorfer diesmal um 01:22 MEZ an den Start und erreichte bereits um 14:21 Uhr das Ziel. Mit dieser Zeit von knapp 13 Stunden einschließlich der Kontroll- und Verpflegungsintervalle war Frank fast 3 Stunden schneller als 2007, eine beachtliche Leistung.

 

Fast zeitgleich mit der diesjährigen Tour de France wurde am 29. Juni der 16. Fichkona-Extrem-Marathon gestartet.  Eine fast schon verrückte Tour über 613 km an einem Tag, die Nacht mitgerechnet, vom Fichtelberg im Erzgebirge bis zum Kap Arkona auf Rügen. Mit Startnummer 150 am Start mit dabei war RSV-Mitglied Robert Pertermann, der leider nach ca. 160 km zu Sturz kam und den Marathon nicht zu Ende fahren konnte. Robert ist zuversichtlich und will 2014 nochmals antreten.

 

Weitere Fahrer des RSV haben sich dieses Jahr für den Extrem-Marathon in den Alpen angemeldet. Sölden im Ötztal lässt grüßen. Jedes Jahr versuchen Zehntausende einen der 4000 Startplätze zu erhalten, die seit 2008 im Losverfahren vergeben werden. Der Ötztal-Radmarathon startet am 25. August und führt über 4 Alpenpässe (Kühtaisattel, Brennerpass, Jaufenpass, Timmelsjoch). Auf der Strecke von 238 km sind 5500 Höhenmeter zu überwinden. Ein ausführlicher Bericht wird nach der Veranstaltung erwartet.

Frank Schneider meistert Vätternrundan 2007 in Schweden

Auf einer gemeinsamen RTF-Tour Anfang Mai 2007 durch die Eifel erzählt uns Frank ganz beiläufig, dass er die heutige Rundfahrt als Konditionstraining für seine Teilnahme an der Vätternrundan in Schweden ansieht. Wir stutzen und fragen ihn, Vätternrundan--was ist das? Und schon kommt Frank ins Schwärmen und klärt uns auf:

Seit 42 Jahren ruft der Vätternsee in Südschweden zu Europas größter und vielleicht auch schönster Radsportveranstaltung, an der er sich bereits im Dezember 2006 angemeldet hatte, um sich so einen Startplatz zu sichern. In ca. 1300 km Entfernung vom Heimatort Bettendorf gehen jedes Jahr im Juni, kurz vor der Mitsommernacht, mehr als 18000 Radsportbegeisterte an den Start, um den Vätternsee, den zweitgrößten See in Schweden, an einem Tag bzw. Nacht zu umrunden. Wir wollten natürlich wissen, wie es unserem Vereinsmitglied bei diesem Abendteuer ergangen ist. Hier sein umfangreicher Bericht zur Veranstaltung.

Nach 17 Stunden Fahrzeit im PKW wird am 14.Juni gegen 11:00 Uhr das Ziel am Vätternsee erreicht. Bis zum Start in Motala in der Nacht zum 16. Juni verbleibt noch reichlich Zeit, die zum Abholen der Startunterlagen und für eine kleine Radtour zum Einrollen genutzt wird. Weil sich so viele Radathleten unmöglich gleichzeitig in Bewegung setzen können, hat der Organisator Blockstarts eingerichtet. Zwischen 20:00 Uhr abends und 6:00 Uhr früh starten alle 2 Minuten 50 bis 70 Teilnehmer. Einige Veteranen dürfen bereits um 18:00 Uhr starten. Mit Startnummer 12639 und nach Überprüfung des Rades durch den Veranstalter erfolgt um 2:46 Uhr in Gruppe 204 der Start. Vor Frank liegen nun genau 304,5 Radkilometer, die zu bewältigen sind. Es ist noch leicht dämmrig und recht kalt, gerade mal 4 Grad Celsius. Aber es ist trocken, der gefürchtete Regen bleibt aus. Bis 3:30 Uhr wird mit Licht gefahren. Im Uhrzeigersinn geht es um den See, zuerst nach Süden in Richtung Jönköping. Alle 10 km folgt ein Schild mit Hinweis auf die Rest-km.

Nach ca. 40 km die 1. von neun Verpflegungsstationen, die die Biker mit isotonischen Getränken, Wasser, süßen Brötchen und sauren Gurken versorgt. Eine heiße Blaubeersuppe soll neue Kraft geben. Durch eine Reifenpanne am Hinterrad bei km 100 muss die Fahrt für ca. 25 Minuten unterbrochen werden. Nach Erreichen von Jönköping an der Südspitze des Vätternsees wird in der riesigen Messehalle eine weitere größere Pause gemacht. Es gibt Würstchen und Kartoffelsalat sowie Bananen. Danach geht es nordwärts, das hügelige Westufer entlang. Insgesamt werden ca. 1500 Höhenmeter zurückgelegt. Die hügelige Landschaft gibt immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die Umgebung und auf den See frei. Bei km 178 die nächste größere Pause zur Mittagszeit mit Lasagne, Gemüse, Milch, Bananen und der berühmten Blaubeersuppe. 18000 Starter sorgen dafür, dass man ständig einige Fahrer um sich hat. Immer wieder werden auch Mitstreiter angetroffen, die sich mit teils sehr alten Drahteseln über die Hügel quälen, zum Teil auch absteigen, um das Gefährt den Hügel hinaufzuschieben. Angetrieben von den vielen Zuschauern an der Strecke wird Station 8 erreicht, der nördlichste Punkt am See mit wunderbaren Ausblick. Nach zurückgelegten 262 km geht es wieder in Richtung Süden, dem Ziel entgegen. An der Station 9 in Medivi, ältester Kurort Skandinaviens, gibt es die letzte Stärkung. Viele Veteranen werden auf der Strecke überholt. Unter ihnen auch ein alter Zeitgenosse mit geschätzten 75 bis 80 Jahren, der die 36. Vätternrundan in Angriff genommen hat. Frank geht davon aus , dass sein fahrbarer Unterbau bereits die erste Seeumrundung mitgemacht hat. Die letzten Hügel werden gemeistert, bevor man das Ziel in Motala vor Augen hat. Nach 15,5 Stunden bei einer reinen Fahrzeit von knapp 12 Stunden ist das große Ziel erreicht. Ein einzigartiges Erlebnis mit tollen Eindrücken liegt hinter unserem Vereinskollegen. Unsere Hochachtung verdient Frank auch deshalb, da er trotz Fußprobleme aus einem früheren Autounfall diese Herausforderung auf sich genommen hat.

 

Auf eine Besonderheit bei der Veranstaltung in Schweden und Auslegung der Startbedingungen macht Frank abschließend noch aufmerksam. So wird allen an der Rundfahrt teilnehmenden Autofahrern nach Zielankunft eine sechsstündige Ruhepause auferlegt, die von der Polizei peinlichst genau kontrolliert wird. Auch in diesem Jahr am 14./15. Juni werden wieder über 18000 "Radverrückte" die Strapazen der Seeumrundung auf sich nehmen. Wir können nur wünschen "Hals- und Beinbruch".

© Stefan Münch ::  Letzte Änderung am 09.12.2015