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Hochradfahren ist die schönste Sache der Welt

„Zweiräder sind unsere Liebhaberei“. Daran lassen Friedhelm Koof und Reiner Strack im Gespräch mit den RSV-News keine Zweifel aufkommen. Ihre Sammlung an ebenso betagten wie kuriosen Fortbewegungsmitteln füllt mittlerweile gut zwei Garagen. In denen finden sich original erhaltene Alltagsräder von NSU bis Miele. Die Markenräder lassen nicht nur die Herzen von Sammlern höher schlagen, sie erinnern an längst liquidierte deutsche Fahrradproduktionen. Die bestachen nicht nur durch ihre zeitlose Eleganz, sondern auch durch ihre unverwüstliche Funktionalität: Verchromte Schutzbleche mit denen die Marke zierenden Standarten, Sättel aus Rindsleder und stabile Gepäckträger für schwere Lasten zeugen von deutscher Handwerkskunst einer vergangenen Industrieepoche.

Den Schweiß vergangener Straßenrennen ziert aus der Sammlung ein ferrarirotes Rickert-Rad. Sein Signet am Rahmen weist dem aufmerksamen Beobachter den Weg zu jener kleinen Manufaktur in Dortmund, auf deren Räder in den 60er Jahren mehrere Weltmeister-Titel gewonnen wurden.

Wer Zweiräder liebt, hat auch ein Faible für die motorisierte Variante. Zwei chromblitzende vierzylindrige Honda-Motorräder mit 350 Kubikzentimeter gehören Friedhelm Koof. Er hat sie aufwendig restaurieren lassen. „Noch sind die letzten Feinarbeiten nicht abgeschlossen, aber in diesem Sommer werde ich mit den Oldtimer touren,“ kündigt der pensionierte Eisenbahner an. „Vielleicht gemeinsam durch die Eifel und die Ardennen,“ ergänzt Vespa- und BMW-Fahrer Reiner Strack.

Letzterer ist stolzer Eigentümer einer mittlerweile 51Jahre alten NSU-Quickly N, die „auf dem Flachen immer noch über 50 Stundenkilometer läuft“. Das nur 27 Kilogramm leichte „Fahrrad mit Hilfsmotor“ stammt aus der ersten Serie, die überhaupt gebaut wurde. Die „Quick“ war eines der preiswertesten und deshalb beliebtesten Fortbewegungsmittel der Nachkriegszeit. 1953 hatte es Vater Julius Strack neu gekauft, um damit zur Arbeit zu kommen. Die originalgetreu von dem NSU-Spezialisten Markus Weiss aus Holzhausen an der Heide restaurierte Quickly ziert heute immer noch die erste Lackierung.

Die Sammelleidenschaft hat beide aufs Hochrad gebracht. Friedhelm Koof: „ Mit unseren Ausfahrten und Auftritten anlässlich von Festzügen, wie beim Rheinland-Pfalz-Tag im vergangenen Jahr, wollen wir an die tapferen Pioniere des Radfahrens erinnern.“ Beide begeistert nicht nur die simple Technik, sondern auch das Beherrschen derselben. „Wer Hochradfahren will, braucht eigentlich nur ein ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl,“ berichtet Reiner Strack von seinen Erfahrungen. Das bekommt man am ehesten, wenn man viel Rad fährt.

Angst vor einem Sturz hat er nicht, „doch aufpassen muss man, denn mein Vorderrad mit seinem Durchmesser von 138 Zentimetern und die schmale Vollgummibereifung lassen ein rasches Ausweichen von plötzlich auftauchenden Hindernissen kaum zu.“ Friedhelm Koof weiß dies: „Vor einigen Jahren wollte ich einem Eichhörnchen ausweichen. Dabei stürzte ich nach vorne über das Vorderrad hinweg und brach mein Nasenbein.“ Das Blut ist getrocknet und die Schmerzen sind gewichen. Trotzdem ist für ihn das „Hochradfahren die schönste Sache der Welt, denn sie bietet durch die Höhe des Hochrades bei sommerlichen Temperaturen reizvolle Einblicke.“

Wer sich für das Hochradfahren und historische Räder interessiert, der sollte vom RSV Oranien-Nassau Friedhelm Koof (Tel. 0 26 27 / 12 39) oder Reiner Strack (Tel. 0 60 32 / 80 43 43) anrufen.

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© Stefan Münch ::  Letzte Änderung am 06.08.2009